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Dezentrale Technologien für die Automatisierung der Supply Chain

Juli 31, 2020

Wie werden sich dezentrale Technologien auf die Automatisierung der logistischen Wertschöpfungsketten auswirken? Dieser und weiteren spannenden Fragen widmet sich die diesjährige Logistikmarktstudie, die der Verein GS1 Switzerland und das Institut für Supply Chain Management (ISCM) an der Universität St. Gallen gemeinsam herausgeben. Als zukunftsorientiertes Logistikunternehmen hat die Krummen Kerzers AG die Forschungsarbeit inhaltlich begleitet und finanziell unterstützt.

Die Logistikbranche befindet sich durch die Digitalisierung in einem fortlaufenden Umbruch. Neue technologische Trends werden immer schneller weiterentwickelt und revolutionieren den Markt. Automatisierung erhält damit immer größeren Einzug in zahlreiche Prozessschritte. Um Potenziale zu erkennen und gegebenenfalls für sich nutzbar zu machen, müssen sich Unternehmen mit diesen Innovationen auseinandersetzen.

Wie wird sich die Blockchain-Technologie auf die Automatisierung der Supply Chain auswirken? Die Krummen Kerzers AG ist Träger der aktuellen Logistikmarktstudie. (Foto: Pixabay)

Knotenbücher und Blockketten ermöglichen Automatisierung

Eine dieser zukunftsweisenden Entwicklungen ist die Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Dieses Prinzip beschreibt die dezentrale Speicherung von Daten in einem verteilten Knotenbuch. Das bedeutet, dass die Informationen nicht an einem Ort gesammelt werden, sondern sämtliche im Netzwerk beteiligten Parteien eine lokale Kopie anlegen. Die Richtigkeit jeder Datentransaktion wird an allen Stellen kontrolliert und mittels eines Konsensprotokolls bestätigt.

Sämtliche Daten in diesem verteilten Register können grundsätzlich von allen Beteiligten eingesehen werden. Da die Inhalte allerdings für einzelne Nutzer oder -gruppen verschlüsselbar sind, lassen sich trotzdem unterschiedliche Vertraulichkeitsgrade realisieren.

Ein besonderes Anwendungsbeispiel von DLT ist die Blockchain. Die meisten kennen diesen Begriff durch die Kryptowährung Bitcoin. Grundsätzlich versteht man darunter die kryptografische Verkettung von Datensätzen, die als „Blöcke“ bezeichnet werden. Kommen neue Blöcke hinzu, werden sie an die vorherigen Datensätze angehängt, wodurch die sogenannte Blockkette entsteht. Dafür muss bei der Mehrheit der Knoten ein Konsens herrschen. Die gespeicherten Informationen bauen bei dieser Methode also alle aufeinander auf und können deshalb nicht nachträglich geändert werden. Deshalb ist eine Blockchain-Datenbank wesentlich weniger anfällig für Manipulationen als herkömmliche Client-Server-Strukturen.

Automatisierung mithilfe dezentraler Datenbanken

Die Vorteile dieser Technologie für die Supply Chain liegen auf der Hand: Mithilfe einer Blockchain könnten alle an einer Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen eine dezentrale Datenverwaltung schaffen, die für vollständige Transparenz aller Prozesse sorgt. „Damit liesse sich beispielsweise die gesamte Supply Chain digital abbilden und ein fehlerfreies und fälschungssicheres Dokumenten-Management etablieren“, so unser Geschäftsführer Peter Krummen. Produzenten, Lieferanten, Verlader, Logistikdienstleister, Subunternehmen und Endkunden blieben stets auf demselben Informationsstand und könnten von überall auf die Daten zugreifen. „Die vernetzten und effizienten Prozesse bietet grosses Potenzial für Kosten- und Zeitersparnis“, sagt Krummen.

Automatisierung: Wohin geht die Reise?

In ihrer Vertiefungsstudie zeigen die Projektverantwortlichen nun weitere mögliche Anwendungsszenarien von DLT und Blockchain auf. Ein vielversprechendes Beispiel sind sogenannte Smart Contracts. Darunter versteht man kleine Computerprogramme, die autonom Massnahmen einleiten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. „Das können Zahlungsvorgänge oder die automatische Kommunikation mit Behörden sein“, erklärt Krummen. Auf diese Weise können viele Prozessschritte entlang der Supply Chain zuverlässig automatisiert werden.

Auch das Internet of Things (IoT), also die Vernetzung von physischen und virtuellen Objekten im Internet, birgt grosses Automatisierungspotenzial. Für Transparenz sowie einen sicheren und stets nachvollziehbaren Datenaustausch im Bereich Machine-to-Machine-Kommunikation könnten zukünftig ebenfalls vermehrt Distributed-Ledger-Technologien zum Einsatz kommen.

Akzeptanz in der Logistik wächst

Die Branche steht dezentralen Technologien offen gegenüber. „Der unternehmensübergreifende Datenaustausch, beispielsweise mittels moderner Tracking-Software, ist in vielen Bereichen der Logistik jetzt schon Standard“, sagt unser Geschäftsführer. In der Zukunft wird es nun darum gehen, die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen und weitere Stationen entlang der Supply Chain in diesen Prozess einzubinden. „Die sicherheitsbezogenen Aspekte und die kontinuierliche Verfolgbarkeit der Informationen sind gute Argumente“, so Krummen.

Die konkrete Umsetzung einer Supply Chain 4.0 steckt noch in den Kinderschuhen. Bisher haben vor allem Start-Ups entsprechende Technologien implementiert, deren Geschäftsmodell auf Blockchain beruht. „Für solch weitreichenden Veränderungen braucht es Pioniere, die die konventionellen Geschäftsmodelle aufbrechen“, sagt unser Geschäftsführer. Vielerorts sorgen fehlende Standards und mangelndes technisches Know-how aktuell noch für Zurückhaltung. Das Blatt scheint sich jedoch zu wenden: „Die Akzeptanz und Relevanz der neuen Technologien wird sich in Zukunft spürbar erhöhen“, vermutet Krummen.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie auf folgenden Internetseiten:

Institut für Supply Chain Management (Universität St. Gallen)

GS1 Switzerland

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